Sind wir Dschungelcamp-Zuschauer Sadisten? Sind wir krank? Ein Psychiater meint ja!

Sarah bei ihrer Dschungelprüfung im Folterkeller des RTL

Der Hamburger Psychiater Prof. Dr. med. Michael Schulte-Markwort, Leiter der psychosomatischen Abteilung im Altonaer Kinderkrankenhaus Hamburg, attestiert uns Dschungelcamp-Zuschauer in seinem vollkommen überflüssigen Beitrag im Hamburger Abendblatt Sadismus. Weil wir das Dschungelcamp glotzen sind wir Sadisten, haben wir Zuschauer einen brutalen Dachschaden. Dabei hat der Professor den Folterkeller des RTL, die Show Ich bin ein Star – holt mich hier raus!, noch nie gesehen und gibt das auch noch zu. Typisch Psychiater. Man fragt sich, ob wir nicht doch, die Falschen behandeln. Ab mit ihm ins Dschungelcamp“

Unser Doktor – nicht unser lieber Dr. Bob – hat gar nicht verstanden, worum es geht. Er will überhaupt nicht wissen, dass wir uns nicht am Leid der Dschungelstars ergötzen, sondern an seiner Überwindung. Wie wollen Tapferkeit sehen, Aufrichtigkeit, Menschlichkeit. In den Medien von Medienprofis, die dafür sehr viel Geld kassieren und, wenn alles gut geht, viel Ruhm einheimsen, sich eine neue Zukunft aufbauen können. Wann sieht man schon mal Menschen, wie sie wirklich sind … im Fernsehen? In den Medien! Normalerweise unmöglich.

Natürlich, das geniale Konzept der Sendung setzt auf Gruppendynamik, die sehr unterhaltsam sein kann. Dazu werden die Promis unter Stress gesetzt. Sie wissen vorher sehr genau, worauf sie sich einlassen. Sie müssen sogenannte Dschungelprüfungen bestehen, um eine gute Mahlzeit zu erhalten, die sie sich selber zubereiten müssen. Wenn Sie versagen, also die Dschungelprüfung nicht erfolgreich bewältigen, bekommen sie nur Reis und Bohnen, was sie eh jeden Tag bekommen. Zusätzlicher Stress wird durch die vielen Kameras ausgelöst und die fremden Menschen, mit denen sie sich in einer geschlossenen Gruppe befinden. Sie müssen schlimmstenfalls 16 Tage im Dschungel, unter widrigen, spartanischen Bedingungen und mit so noch nicht gekannten Konflikten durchstehen. Da kommt dann so einiges hoch, wie sich Psychiater leicht vollstellen können. Das wollen wir sehen, was da hochkommt. Können wir Mitgefühl entwickeln oder Ablehnung? Darum geht es manchmal.

Sarah quält sich bei einer Dschungelprüfung

Wir wollen nicht, dass Sarah sich quält, sie macht das freiwillig

Masochisten im Dschungelcamp?

Wenn wir Sadisten wären, wären im Umkehrschluss die Promis alles Masochisten? Die stürzen sich ja teils mit großer Lust und Freunde, mit viel Hoffnung ins Abenteuer Dschungelcamp. Jedenfalls kann ich nicht bestätigen, dass wir Zuschauer uns an der Qual der Promis ergötzen. Wir sind fasziniert vom Überwinden des Ekels. Ja, wir haben voyeuristischen Spaß dabei, wenn die großmäuligen Stars, die sich oft für etwas Besseres halten, vollgeschmoddert werden, mit stinkenden Abfällen übergossen und sich in widerlichen Schleim wälzen. Gut, manchmal lachen wir auch, wenn sie vom Vogel Strauß gepiesackt werden. Aber wenn sie voller Angst im Helikopter hocken und Tode sterben, weil sie gleich mit dem Fallschirm in den Abgrund stürzen, macht uns das keine Freude. Wir leiden mit. Ja, wir leiden mit den Dschungelstars mit.

Und wir honorieren jene Stars, die Mut gezeigt haben oder denen Ungerechtigkeit widerfuhr, und belohnen sie mit unseren Anrufen. Zuvor bestrafen wir sie auch mit diesen Anrufen, aber manchmal nur, weil sie das Maul zu voll genommen haben und wir jetzt Taten sehen wollen. Oder weil sie gemein zu anderen waren. Und: Nein, das hat nichts mit Stalking zu tun. Verstehen Sie, werter Psychiater? Nein?

Die Tiere, ja. Mit den Tieren wird im Dschungelcamp allerdings einiger Unfug getrieben. Aber es sind meist Insekten oder Klein-Tiere. Sie werden nicht bewusst gequält, auch wenn sie für die Sendung nenutzt werden und zuweilen ihr Leben lassen müssen. Es soll aber nachempfunden werden, wie und was die Aborigines, die Ureinwohner Australiens, im Busch gegessen haben (teils lebende Tiere) und welchen sie begegnen sind. Für uns Wohlstandsmenschen ist das eine große Herausforderung, für uns Zuschauer eine faszinierende, sehr unterhaltsame Geschichte. Ist doch toll. Wir lernen, wie werden unterhalten und wir lernen.

Sarah und der Tod

Sarah im Dunklen hat Angst bei ihrer Dschungelprüfung

Ich könnte noch mehr schreiben was diese Sendung ausmacht. Und auch nachweisen, dass wir Zuschauer keine Sadisten sind, dass nicht wirklich etwas Schlimmes im Dschungelcamp geschieht und alles zu jederzeit freiwillig ist. Und dass alle profitieren: Die Stars, RTL, die Zuschauer, die Medien und jetzt sogar Sie, Professor Schulte-Markwort, in dem Sie durch ihren faulen Artikel über das Dschungelcamp Aufmerksamkeit erhalten und sicher auch ein Honorar. Also ist alles gut. Wir Menschen, wir Zuschauer, das darf ich Ihnen im Namen von Millionen Mitbürgern sagen, lassen uns von Ihnen und Ihresgleichen den Spaß nicht verderben und auch nicht zu Kranken erklären. Bleiben Sie bei ihren Leisten und kümmern Sie sich um ihre eigene Zunft, die in weiten Teilen nicht die Spur von Mitgefühl, Menschlichkeit und Aufrichtigkeit zeigt. Ich könnte hier einige Beispiel aufzählen und nachweisen. Aber lassen wir das.

Ich bin und bleibe Dchungelfan.

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