#GNTM-Model Dascha: „Den ganzen Tag lang fuhren russische Panzer an dem Haus vorbei, in dem sich meine Familie versteckt hat.“

Dascha Carriero, #GNTM-Zweite 2021, erzählt im Interview über ihre Familie in der Ukraine, ihren emotionalen Walk bei der Berliner Fashion Week und die Friedenskundgebung „Sound of Peace“, die am Sonntag, 20. März 2022 in Berlin stattfand.

Dascha, du bist in der Ukraine geboren und kamst 2005 mit deinen Eltern nach Deutschland. Leben andere Familienmitglieder aktuell noch in der Ukraine?
Dascha: „Meine ganze Familie – außer meiner Mutter – wohnt in der Ukraine. Also wirklich alle. Vor ein paar Tagen konnten ein paar flüchten und sind zum Glück gesund, wenn auch sehr mitgenommen, bei uns angekommen.“

Wie erleben deine Familie/Freunde gerade die Lage in der Ukraine? Was hörst du von ihnen?
Dascha: „Die Lage ist sehr schlimm. Man kann sich gar nicht vorstellen, mit welcher Angst die Menschen da leben müssen. Meine Patentante ist mit ihren Kindern zu Beginn des Krieges von der Stadt ins Dorf gezogen. Sie gingen davon aus, dass es dort sicher sein würde. Leider war dem nicht so. Den ganzen Tag lang fuhren russische Panzer an dem Hause vorbei, in dem sie sich versteckt gehalten haben. Das ganze Haus wackelte. Die Tiere haben geschrien vor Angst. Jedes Mal, wenn eine neue Kolonne von Panzern an Ihrem Haus vorbei fuhr, flackerten alle Lichter. Zum Glück ist Ihnen die Flucht gelungen. Gestern haben wir alle hier in Deutschland zu Abend gegessen und es hat auch kurz das Licht geflackert, weil der Lichtregler manchmal nicht das tut, was er tun soll. Alle sind in Tränen ausgebrochen und haben für einen Moment keine Luft mehr bekommen. Meine Oma ist leider mit meinem Opa immer noch in der Ukraine. Sie können altersbedingt nicht fliehen. Sie wohnen in einem Hochhaus im siebten Stock. Es könnte jeden Moment was passieren und das bricht mir das Herz. Mein Onkel schleppt jeden Tag mit anderen Männern Sandsäcke, um mehr Barrikaden zu bauen. Es gibt auch kein Essen mehr in Sumy, der Stadt, in welcher meine Familie lebt bzw. lebte. Die Menschen helfen sich gegenseitig, wo sie nur können.“

Wie war der Tag, an dem der Krieg ausgebrochen ist, für dich?
Dascha: „Ich war an dem Tag als der Krieg ausgebrochen ist von einem Kunden für ein Shooting gebucht und habe daher alles sehr zeitverzögert mitbekommen. Meine Mama hat mich dann weinend angerufen und wir haben lange gesprochen. Seitdem bin ich sprachlos über das was da passiert.“

Du hast vergangene Woche bei der Fashion-Show von Designer Samuel Gärtner ein starkes Zeichen gesetzt und bist mit einer ukrainischen Flagge über den Laufsteg gelaufen. Wie kam es zu dieser Aktion?
Dascha: „Samuel Gärtner hat mich gefragt, ob ich gerne mit der ukrainischen Flagge laufen möchte. Ich habe natürlich direkt ja gesagt. Ich finde das so toll und freue mich darüber dieses Zeichen setzen zu können. Samuel fragt mich auch immer, ob es neue Infos gibt und wo er mir helfen kann. Ich bin froh, ihn und andere Freunde in meinem Leben zu haben. In solchen Situationen merkt man erst wer richtige Freunde sind.“

Wie waren die Reaktionen auf dieses Zeichen?
Dascha: „Ich habe nur gutes Feedback bekommen. Selbst wenn es schlechte Kommentare geben würde, würde mich das nicht interessieren. Es geht hier um meine Familie und das Leben vieler anderer Menschen.“

Welche Botschaft möchtest du in die Welt aussenden?
Dascha: „Ich möchte, dass der Krieg endlich aufhört. Es sterben ohne Ende Menschen, es leiden Kinder und Tiere. Das ist einfach furchtbar. Menschen werden bedroht und beklaut. Ihnen wird alles genommen was sie haben. Es muss enden!“

Am Sonntag, den 20. März 2022 fand in Berlin ein großes Friedensevent statt: Bei „Sound of Peace“ werden viele bekannte Künstler:innen für den Frieden auftreten. Auch viele politische und gesellschaftliche Redner:innen und Helfer:innen werden erwartet. Wie wichtig ist so ein Event aus deiner Sicht? Was kann es bewirken?

Dascha: „So ein Event ist sehr wichtig. Man setzt ein Zeichen, dass es einem nicht egal ist und dass man zusammenhält. Das brauchen die Menschen jetzt. Wir können aktiv nichts machen, außer unsere Türen zu öffnen.“

Für den Frieden. Gegen den Krieg.
#SoundOfPeace.

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