Stephen setzt sich hin und belehrt Eva darüber, was Flirten ist, was er wahrgenommen hätte und das sie es gegenüber Patrick übertreibt. Da stellt sich uns die Frage: was ist soooooo schlimm am Flirten und darf im im Dschungelcamp 2026 noch flirten. Oder kann das weg?
Eva ist Single, Patrick vergeben. Beide verstehen sich im Camp auffallend gut. Sie lachen, reden, sitzen zusammen. Freundschaftlich? Flirty? Irgendwo dazwischen. Für Eva offenbar harmlos. Für Teile des Camps ein moralischer GAU.
Stephen, Schauspieler und erklärter Familienmensch, übernimmt kurzerhand die Rolle des Anstandsbeauftragten und stellt Eva zur Rede. Vorwurf: Sie sei „flirty unterwegs“. O-Ton: „Patrick hier, Patrick da.“ Eva wehrt sich, sichtbar verletzt. Sie fühlt sich bloßgestellt, gedemütigt – und betont mehrfach: Da ist nichts. Punkt.
Doch dabei bleibt es nicht. Stephen geht noch einen Schritt weiter und macht Eva vor der Gruppe öffentlich klar, dass ihr Verhalten gegenüber einem vergebenen Mann nicht in Ordnung sei. Moralische Ermahnung inklusive. Der Subtext: Du weißt doch, was du tust.
Und hier kommt der Elefant im Dschungel: Eva hatte in der Vergangenheit etwas mit Samiras Ex – während Samira schwanger war. Eine Geschichte, die ihr in dieser 19. Staffel immer wieder um die Ohren fliegt, besonders von Ariel. Das Narrativ steht längst: Eva als Wiederholungstäterin, als Frau mit „Muster“. Nachtigall, ick hör dir trapsen.
Die eigentliche Frage aber ist eine andere: Warum ist in solchen Situationen fast automatisch die Frau die Schuldige? Die Verführerin. Die Hexe. Die Böse.
Und warum bleibt der Mann so oft der passive Part – der Verführte, der Gute, der Überrumpelte?
Das ist kein Zufall, das ist Rollenverteilung. Und ja: Das riecht ziemlich deutlich nach Patriarchat. Selbstreflexion oder historisches Bewusstsein scheinen im Camp jedenfalls Mangelware zu sein.
Patrick selbst merkt schnell, dass die Sache für ihn heikel wird. Schließlich schaut draußen nicht nur das Publikum zu, sondern auch seine Freundin. Also sucht er das klärende Gespräch mit Eva – am Weiher, symbolträchtig wie immer – und zieht sich zurück. Offiziell, um „Missverständnisse zu vermeiden“. Inoffiziell vermutlich, um seine Beziehung zu retten. Ergebnis: Er rudert kräftig zurück und verteilt den Schwarzen Peter gleich mit. „Wir sind nur Freunde“, sagt er. Abstand sei besser.
Auch Patricks Freundin Annelie meldet sich öffentlich zu Wort und kritisiert Evas angebliche „Masche“. Damit ist das Bild komplett: Die Frau wird markiert, der Mann freigesprochen.
Dabei lohnt ein kleiner Perspektivwechsel.
Es gibt Kulturen, da gehört Flirten einfach dazu. Nicht als Vorstufe zum Seitensprung, sondern als soziale Wärme, als Spiel, als Kommunikation. Und vor allem: Es gehören immer zwei dazu.
Hier ist nichts passiert. Kein Kuss, kein Geheimnis, kein Betrug. Nur Blicke, Gespräche, Nähe. Und ja, vielleicht ein bisschen Eitelkeit auf beiden Seiten.
Nur weil Patrick vergeben ist, darf Eva ihm doch trotzdem schöne Augen machen.
Und nur weil Patricks Partnerin zuschaut, darf er doch trotzdem charmant sein.
Zumal wir hier nicht in einer Paartherapie sitzen, sondern bei Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! Trash-TV der gehobenen Klasse.
Am Ende bleibt der Eindruck:
Nicht das Flirten ist hier das Problem.
Sondern der Umgang damit.
Und wer am lautesten Moral ruft, verrät oft mehr über sich selbst als über die Person, die gerade am Pranger steht.

