Schlagwort-Archive: Psycho

Tag 3: Pissbirnen, Porno-Outing, Spinnenkrieg, Entschuldigungsschreiben

Larissa dreht ab

Wo sind meine Freunde, Machete? Was haben die bloß mit Larissa gemacht? Wo sind ihre Eltern? Im Gefängnis? Hat das österreichische Model einen ehrlichen Dachschaden? Darf sie dann ins Dschungelcamp? Dürfen wir überhaupt dabei zusehen, wie jemand in aller Öffentlichkeit psychisch erkrankt? Ist das etwa moralisch einwandfrei? Werden jetzt „Psychosen“ nach ihr benannt, z. B. die „Malroltitis“? Wobei: Eine „itis“ ist immer eine Entzündung. Aber das wissen nur Eingeweihte. Hat also Larissa eine Gehirntzündungen? Vom Pissbirnen-Essen? Aber welches Gehirn?. Weiterlesen

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Wahrsager, Turteltäubchen und ein 4-Finger-Faultier

Darum geht es schließlich im Dschungelcamp: Um die langfristig erfolgreiche Vermittlung von Langzeitarbeitslosen. Vincent könnte beispielsweise in Lybien den ganzen Bums übernehmen als Frauen-Taliban. Er hat, zusammen mit Camp-Ziege Ramona, den deutlichsten Hackenschuss. Bei DLo kannst du mit Therapie vermutlich noch was ausrichten, Ramona und Bigi muss du einfach nur operieren und fotografieren. Der Rest geht als halbwegs normal durch, auch wenn im Camp im Regenwald nicht wirklich normal ist. Weiterlesen

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Dschungelcamp Tag 13 – Knutschen – Lästern – Dicke Eier

Was ist mit Jay denn jetzt los? Was läd er sich da auf? Die Nachwirkungen der schweren Krise im Dschungelcamp bringen Jay dazu zu glauben, er könne seine Fisimatenten an den RTL-Mikrofonen vorbei flüstern. Wer flüstert der lügt. Und warum giftet Indira jetzt so gegen Peer. Das „Liebespaar“ Jay und Indira wollten Peer aus dem Camp lästern. In aller Seelenruhe geifern sie vor uns Zuschauern gegen Peer und spinnen damit eine Intrige. Habe ich nicht verstanden. Sie müssen uns Zuschauer für ziemlich blöd halten. Hat Jay ja auch ziemlich dumm aus der Wäsche gekuckt, dass er wieder FAST rausgewählt wurde. Doch der gute Reiner musste leider gehen. Der beste Mann in unserem Dschungelcamp.

Jay und Reiner im Dschungelcamp
Jay verkalkuliert sich am Ende mit seinen Intrigen und Heucheleien. Er läd sich zu viel auf. Hatte Sarah Dingens also doch recht?

Während sich Peer langsam wieder einkriegt und auch Mathieu („Die ist gefährlich. Sie ist ein Virus!“) vielleicht mal zum Nachdenken kommt, scheinen Indira und Jay weiter Drama zu fahren und spinnen Intrigen. Was hacken sie auf Peer rum, der zwar schwach war, aber, wie er richtig anmerkte, niemanden etwas Böses getan hat und zu seinem Selbst zurückfindet? Wenn das aber nicht so taff und powerful ist (wie Thomas sagte) wie die anderen Dschungelcamper sich gern sehen, ist mir Peers Verhalten viel, viel lieber als dieses blödsinnge Getue. Sie wollen ihn ganz offensichtlich aus dem Camp quatschen und kommen gar nicht auf die Idee, dass uns genau diese Art, dieses beschissene Lästern voll gegen den Strich geht. Sie sinken rapide in unserem Ansehen.

Dabei tun sie offenbar ganz blöd. Stecken ihre Köpfe zusammen und flüstern sich einen zurecht. Wer rechnet schon damit, dass RTL die Mikrofone aufdreht und jedes Wort versteht. Zumal, wenn man im Beruf mit Mikrofonen zu tun hat, wie diese beiden SängerInnen. Es sah nicht gut aus und es klang auch nicht gut. Ist doch alles abgesprochen? Spielen die beiden ein charmantes, aber abgekartetes Spiel? Das wäre wirklich zu blöd, es würde beider Karrieren schwer beschädigen.

Gute Erziehung sieht jedenfalls anders aus. Dieses Gequatsche und Geläster, sein Maul zu zerreißen in aller Öffentlichkeit, ist offenbar nicht nur eine Spezialität von Frauen. Obwohl die es perfektioniert haben. Wie mich das anekelt. Schon im Falle WikiLeaks finde ich Denunziation (Mobbing auf niedrigster Ebene) geradezu widerlich. Denunziation und Intrige kennen wir nicht nur von Sarah Dingens, dem Hitler-Regime und der DDR, wir kennen es auch aus der Schule, wo es dafür aber dirket in der Pause auf die Schnauze gab. Nun erleben wir es im Dschungelcamp tagtäglich. Junge Menschen beißen sich mediengeil weg, haben überhaupt gar nichts kapiert und geben uns eine Lehrstunde darin, wie man es nicht machen sollte.

Indira und Jay turtel im Dschungelteich
Im Dschungelteich angekommen legen Jay Khan und Indira Weis eine oskarreife Liebesszene hin, tauschen heiße Küsse im kalten Wasser aus – natürlich ganz spontan. Ist das wirklich Liebe – oder eiskalt inszeniert?

Das geht von:
„Der Peer ist nicht annähernd so cool wie Du. Peer ist ein Depp! Peer ist nicht mehr in den Medien, Peer sieht nicht gut aus, Peer ist eigenartig. Und selbst wenn er Dschungelkönig werden sollte, wird es ihm nicht viel bringen.“ Flüster Indira zu Jay. Die Fangemeinschaften sich jetzt schon seit 13 Tagen eingeschworen haben. Und wenn die 13 Tage lang sehen … Jay und Indira sind unser Traumpaar, dann gibt es auch Leute, die finden Dich allein supergeil.“

Bis zu:
Indira: „Er (Peer) wär vielleicht gerne an Deiner Stelle“
Jay: „Er hat doch ne Freundin und glaubt an die ewige Liebe.“
Indira: „Der weiß ja nicht mal, was er will in Bezug auf seine Beziehung! Seine Freundin tut mir so leid.“
Jay: „Und … dann macht er einen auf Moral-Posten von wegen alles inszeniert.
Indira: „Vielleicht ist er inzwischen schon Single und weiß es gar nicht.“
Jay: „Vielleicht ist er einfach in dich verliebt.“

So etwas Eingebildetes, Dämliches und Arrogantes hat es in dieser Form seit Dolly Buster nicht mehr im Dschungelcamp gegeben. Weder Indira noch Jay können jetzt den Titel holen. Aller Voraussicht nach wird Jay heute raus gewählt. Dann bleibt Indira alleine übrig und wenn der doofe Thomas morgen geht, steht sie ganz alleine da. Und dann? Was soll aus ihr werden?

Tipp: Die geheimen Absprachen im Dschungel-Camp von Desirée Nick: Lügen, Beleidigungen, Geheimnis-Krämerei: Was die Dschungel-Bewohner können, kann Désirée Nick schon lange! Schließlich war sie selbst im Camp. Jetzt packt die Nick aus: Alles über die geheime Absprachen im Läster-Lager!

Da interessiert mich die Dschungelprüfung von Peer und Thomas im Schwanzhemd auf Dicke-Eier-Suche unter Straußen nicht mehr viel Mich interessiert eher Reiner Langhans, der leider leider das Dschungelcamp verlassen musste. Ich glaube ja, dass viele der Leute, die anrufen oder per SMS voten, jüngeren Jahrgangs sind und mit Reiner nichts anfangen können. Sie haben es wahrscheinlich eher mit gut aussehen und lästern, als mit Meditation, Gruppendynamik und alternativen Lebens- und Todesformen. Von daher haben nicht genug für Reiner angerufen. Ich hab. Aber es reichte nicht.

Mit seinen 70 Jahren sieht Reiner nicht nur sehr gut aus. Auch, dass er die Strapazen des Dschungelcamps 2011 mit solch einem wachen Geist durchsteht, ist bewundernswert. Wie auch immer man zu ihm steht – er ist ein sympathischer Typ. Die Vorwürfe des SPIEGEL und die Verachtung seiner ehemaligen Kommunarden-Kumpels inklusive Uschi Obermeier, er wäre so mediengeil, sind lächerlich. Und? Was ist schon schlimm daran? Er verdient gut, macht eine einmalige Erfahrung, bekommt Aufmerksamkeit. Da kann man doch nur sagen: Bravo, Reiner, herzlichen Glückwunsch. Die anderen sind ja nur neidisch. Ich finde, er hat seine Sache toll gemacht und hätte ihn gern als Dschungelkönig gesehen.

Reiner Langhans verlässt das Dschungelcamp 2012

Reiner Langhans geht einer einer halben Ewigkeit seinen ganz eignen Weg. Er ist wie viele anderen in „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ kein wirklicher Star. In der Republik aber kennt man den Alt-60er und Revoluzzer der ersten Nachkriegsstunde.

Er ist sympathisch und klug. Aber durchgeknallt. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht sind wir die Durchgeknallten, die sich über die wenigen „Normalen“ lustig machen. Ich möchte jedenfalls nicht leben wie Reiner, den wir durch das Dschungelcamp besser kennenlernen konnten. Er lebt meist in Weiß und leckt seinen Teller nach dem Essen sauber, anstatt ihn mit Spüli zu traktieren. Kurz unter Wasser gehalten, steht das Geschirr für die nächste Mahlzeit bereit. Sehr reduziert, spartanisch, ist seine Lebensführung, anspruchslos und einfach. Er kommt mit sehr wenig Geld aus, lebt seit über 30 Jahren in einer sehr, sehr kleinen Bude in München.

Trotzdem er gut aussieht, fotogen ist und auch etwas zu sagen hat, fehlt im Charisma. Deshalb reicht es für den Abo-Opa nicht zum Guru oder zur moralischen Instanz. Vielleicht ist es jetzt auch das Alter, aber ihm fehlt eindeutig das gewisse etwas. Man mag und schätzt ihn. Aber er besitzt nicht jenes einnehmende Wesen, dass ihm sicher den Verbleib im Camp bis zum Schluss gesichert hätte. In jeden Fall ist war er ein wichtiges Gegengewicht gegen den oberflächlichen Kindergarten, der im Dschungelcamp tobt.

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Dschungelcamp Tag 12 – Drama Queen Quote – Irrenhaus im Psychocamp

Man weiß ja gar nicht wo man anfangen soll. Denn an diesem 12. Tag im Dschungelcamp kam einiges Zusammen: Beschiss, Drama, Quote, Psychokrieg, Dschungelprüfung, Ablehung, Wut, Tränen, Krankheit, Wahnsinn, Gruppendings und auch Dynamik. Wir danken dem Fernsehgott, dass Sarah nun endlich die reale Chance hat medizinischer Hilfe teilhaftig zu werden und wir sie nie wieder sehen müssen. Wir trauern um Reiner, der das Camp aufgrund des Zuschauervotums leider verlassen muss. Er, der Fels in der Brandung, der Dalai der Irren, der Oberste aller Durchgeknallten.

Sarah verlässt endlich endgültig das Dschungelcamp

Über Sarah haben wir gestern schon ausführlich geschrieben und liegen mit unseren Vermutungen gar nicht so weit weg von denen Reiners, der mutmaßte, dass Sarah in Jay verknallt ist und aus Eifersucht und Zorn über die Ablehnung solchen Mist gebaut hat. Es deutet viel genau darauf hin.

Als aufmerksame Beobachter auch auf Twitter (Hashtag #dschungelcamp) wundert man sich über die Sympathie, die das schizoide Möchtegernmodel bei vielen weiblichen Jugendlichen genießt. Warum identifizieren sich diese Mädchen mit einer offenbar armen Irren? Steht es wirklich so schlecht um unser Land? Oder wollen die alle auch Model werden … und scheitern? Was ist so toll daran? Auf Gedeih und Verderb das böse Spiel bis in die Klinik fortsetzen, sich öffentlich ruinieren? Was ist so toll daran? Unbewußter Widerstand gegen Papi? Klar sollte sein, dass nur diejenigen Model werden wollen, die einen an der Waffel haben, bei denen also schon was aus dem Ruder gelaufen ist – oder die ganz einfach Bestätigungsgeil sind, die verzweifelt schön sein wollen und Charakter spielen. Model ist also kein Beruf, sondern eher eine Störung. Genau wie Popstar.

Und was hat Sarah wirklich für eine Krankheit? Eine Persönlichkeitsstörung – das wäre schwerwiegend – oder „nur“ eine Neurose (leiden an der Welt), die am Borderline schrappt (wegen der Intrige/Spaltung der Gruppe)? Und sind alle, die Sarah klasse finden ganz ähnlich beeinträchtigt? Eine Neurose wächst sich mit den Jahren aus, musst mal Mathieu fragen. Aber eine zünftige Persönlichkeitsstörung – danach sieht es tatsächlich aus – ist etwas anderes. Schwer behandelbar und eine schlimme Sache für Freunde und Familie.

Sarah wurde am Hotel von ihrem persönlichen Krankenpfleger empfangen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieser junge Mann ein Helfersyndrom hat und sie auch aus Mitleid poppt. Was hat er eigentlich damit gemeint, dass er Sarah nun darauf vorbereiten wolle, was in der Zwischenzeit alles passiert ist? Ihre Website gehackt? Verträge verloren? Hund gestorben? Deutschland überflutet? Irgendwas mit Drama, so lässt sich leicht vermuten. Junge Menschen haben es sehr oft mit Drama. Manche komme da nie wirklich raus.

Der Psychokrieg im Irrencamp beschwerte RTL gestern Nacht Traumquoten. Es heißt, 10 Millionen Zuschauer hätten das Dschungelcamp an diesem Abend gesehen. Doch BILD titelt heute: 10 MILLIONEN ZUSCHAUER GETÄUSCHT – RTL verarscht die Dschungel-Fans. Es geht um die Anruf- bzw. SMS-Gebühren von 50 Cent. Viele habe noch für Sarah angerufen (sag ich doch!), obwohl sie nicht mehr gewählt werden konnte. RTL hatte das verheimlicht. Dies mag der Grund gewesen sein, dass gestern früh auf der RTL-Homepage die verräterische RAUS-Flagge auf Sarahs Bild erschien und damit klar war, dass sie der Promi war, der das Camp freiwillig verlassen hatte. RTL hatte uns geschickt um einen Tag lang hingehalten. Dabei wären die Quoten genauso dramatisch explodiert, hätten sie in der Sendung kurz gesagt: Sarah geht!


Sie hat ein hübsches Gesicht, ja. Offenbar ihr einziges Kapital. Es heißt, sie verließ das Dschungelcamp auf Anraten eines Psychologen. Vielleicht, so vermute ich, hat RTL ihr auch die volle Gage zugesichert wenn sie jetzt aufgibt, um alle vor größeren Schäden zu bewahren.

RTL hatte auch versprochen, Sarah bei Sonja und Dirk im Interview zu haben. Auch davon nichts zu sehn. Mag sein, dass dies Sarah abgelehnt oder der Psychologe davon abgeraten hatte. Mag auch sein, dass die Sendezeit nicht ausreichte und RTL lieber die Dschungelprüfung zeigte. Die Schatzsuche mit Katy und Peer haben sie jedenfalls nicht gezeigt.

Mir stellt sich die Frage, ob man, ob RTL vorher sehen konnte, dass Sarah relativ schwer gestört ist – woran es überhaupt keinen Zweifel gibt. Oder wollte man das nicht sehen? Oder wollte man das gerade in der Show haben, da es für Gruppendynamik, viel Wirbel und Quote quasi ein Garant ist? Ich habe Sarah bei Germanys Next Topmodel nicht gesehen, aber sie muss ja dort schon ihre Psychonummer offenbart haben. Dieses Heidi-Klum-Format (übrigens PRO 7) halte ich tatsächlich für das schäbigste und übelste, das die deutsche Fernsehlandschaft bisher gesehen hat.

Möglicherweise war das, was Sarah im Dschungelcamp bot, für die Fernsehmacher nicht vorauszusehen. Nicht in dieser Heftigkeit. Für mich sieht es momentan so aus, als sind da einige beschädigt worden. Sarah klar, ihre Familie, Jay auch, Peer, Mathieu, Thomas, das Format „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“, manche Zuschauer … Es kann ja nichts Gutes dabei herauskommen, wenn man einen derart gestörten Menschen unter solch extremen Druck der Öffentlichkeit präsentiert.

Katy Karrenbauer strengt sich an im Dschungelcamp

Das Dschungelcamp ist ja konzeptionell so angelegt, die Stars an die Grenzen ihrer Möglichkeiten zu bringen. Das ist Psycho, die Psychonummer kalkuliert. Viele Menschen denken darüber kaum nach, aber wir alle verstecken uns hinter Masken und schlüpfen in Rollen, die uns vor Verletzungen schützen sollen. Mancher mehr, mancher weniger. Dabei kann es vorkommen, dass man sich selbst verliert oder überhaupt nicht findet, wenn man diesen Masken und Rollen hinterher geiert (wie Sarah es tut).

Wird man unter Druck gesetzt, bröckelt die Fassade. Beim einen schneller, beim anderen langsamer. Irgendwann fällt die Maske, werden die Rollen unspielbar und was dann zum Vorschein kommt, ist oft nicht angenehm, weil man sich so noch nicht erlebt hat, nicht kennt. Darin liegt eine große Chance, die Chance eben, sich weiterzuentwickeln, die abgespaltenen Teil der Persönlichkeit zu integrieren, freier zu werden, autonomer, reifer, ganzer. Um diese Masken aber zum Einsturz zu bringen, braucht es einiges … an Druck. Gerade bei Menschen, die wie wir aus einer hoch spezialisierten, Masken fördernden Welt kommen, in ihr aufwachsen und mit ihr gelernt haben zu leben. Nimmt man diese Welt weg, wirds eng.

Und genau das macht das Dschungelcamp. Es ist heiß, schwül, es gibt wenig und seltsames Zeugs zu essen. Man ist isoliert, kein Handy, Internet, Buch, kein Fernsehen, Theater, gar nichts. Die Zivilisation ist ausgeschlossen. Der wenige Schlaf zermürbt einen. Man muss sich plötzlich mit fremden Menschen konfrontieren, weil man mit ihnen auf engstem Raum mit starren Regeln zusammengepfercht ist. Es gibt kaum Intimsphäre. Und dann die ekligen, herausfordernden Dschungelprüfungen, bei denen du meistens über deine Grenzen gehen musst. Oder das an anderen erlebst. Und die ständigen Kameras, das Bewusstsein, dass du in jedem Moment beobachtet wirst. Größer kann der Druck kaum sein. Er ist erheblich und manche halten dem nicht stand. Siehe Sarah. Je länger es dauert, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass man zusammenbricht. Das konnten wir bei Peer so beobachten.

So fallen die Masken im Dschungelcamp. Gruppendynamik ist erwünscht, Konflikte und Auseinandersetzungen vorprogrammiert. Psychocamp. Wenn nun einer einen an der Waffel hat, wie Sarah, wird es unschön. Diese Leute brechen eher zusammen und je nach Störung und Struktur können sie einigen Schaden anrichten. Da hatte Mathieu schon recht. Er muss so etwas schon öfter erlebt haben. Denn gerade im Schauspielfach tummeln sich viele gestörte Individuen, kranke junge Dinger. Das liegt in der Natur der Sache. Schauspieler, Moderatoren, Filmstars, Popstars, Rockstars, Künstler – alle haben ein paar Schrauben locker. Sonst würden sie sich in dieser Weise vor der Öffentlichkeit nicht exaltieren, sondern ein gemütliches, gottgefälliges Leben hinter einem Blumenbalkon führen.

Doch nein, für manche ist ein ruhiges Leben einfach zu langweilig. Sie gieren nach Anerkennung, dürsten nach Liebe und Zuwendung, gieren nach Aufmerksamkeit und Bewunderung. Denn dann halten sie auch die eigenen Schwächen besser aus. Wenn man von außen so viel bekommt, ist der innere Trümmerhaufen ja doch bewohnbar. Doch wehe da platzen ein paar Dachziegel ab oder die Häuserfront kippt auf die Straße. Dann kann ja jeder reinkucken. Dann kann ich nur noch springen. Wenn nicht in mein Glück, dann vielleicht von einem Baum im chinesischen Dschungel mit einem deutschen Meerettich in der Hand …

Indira und Jay Khan im chinesischen Dschungel mit Meerettich

Sehr gut gefallen hat mir

  1. Reiner, weil ich meine, dass er Sarah richtig eingeschätzt hat und sich selber raushielt.
  2. Katy für die Leviten, die sie Sarah las, sehr deutlich und richtig schön angemessen wütend. Toll.
  3. Indira. Nach meiner Ansicht die kommende Dschungelkönigin. Halt sich sauber, ist charmant und angemessen unhysterisch.

Hat mir nicht gut gefallen:

  1. Jay. Seine bescheuerte Bemerkung, dass Sarah nicht wüsste wer er sei und mit wem sie es zu tun hätte und wer hinter ihm stünde war komplett panne und ganz großer Kindergarten. Wer soll denn das sein, der hinter ihm steht? Die Mafia? Die Uno? Obama? Bin Laden? Was droht er da blöd? Weiß er nicht aus der Geschichte, dass man in diesem seinem Geschäft schneller fallengelassen wird als eine heiße Kartoffel wenn die Kohle nicht mehr kommt, das Image zerstört ist? Tat er sich keinen Gefallen mit dieser dusseligen Protzerei.
  2. Thomas ist sehr auf Jay fixiert und gewinnt nicht an Kontur. Er blieb zwar stabil und loyal, aber irgendetwas, so spüre ich, stimmt da nicht. Ist er vielleicht in Jay verliebt? Fehlt da ein Outing?
  3. Mathieu ist zu aufgeregt, zu hysterisch, zu emotional (wie es für seinen Beruf ja gut ist). Aber ein wenig mehr Toleranz und Großzügigkeit gegenüber Peer hätte ich ihm zugetraut. Außerdem bezahlt eine schrotige „Werbeagentur“ für ihn zu twittern, damit die Leute für ihn anrufen. Keine Größe der Mann.
  4. Peer ist ein Fall für sich. Groß, wenn es um Albernheiten und Sprüche geht. Klein, wenn es eng wird. Brach unter dem Druck zusammen, was Ok ist. Findet aber nicht zu seiner alten Linie zurück. Zu wenig Selbstkritik, zu wenig Loyalität.

Warum viele Zuschauer – und ja auch Dirk Bach – Jay für Gay halten und das offenbar verachten, bleibt mir schleierhaft. Was wäre so schlimm daran? Und wenn er, wie Desirée Nick vermutet, „beidseitig bespielbar“ wäre – ist doch toll. DAS kann es nicht sein, um Jay abzulehnen.

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Dschungelcamp Tag 11 – Pschoterror im Mobbing-Camp

So etwas hat die deutsche Fernsehlandschaft und die Promis im Dschungelcamp schon lange nicht mehr erlebt: Psychokrieg und eskalierende Gruppendynamik. Für Sarah ist es zwar Selbsterfahrung und für die anderen Insassen ein launiger Abenteuerurlaub – allein es vermittelt keiner zwischen den verfeindeten Clans. Es fehlt ein Mediator. Also Drama im Camp, Mobbing, Terror, Erpressung – alles, was die Herzen und Fäuste der gebannten Fernsehzuschauer höher schlagen lassen. RTL verlängerte die heutige Sendung bis 0.00 Uhr um die Gruppendynamik voll auszukosten. Und wie vorher aufgrund eines kleinen „Fehlers“ auf der Voting-Seite in der RTL-Dschungelcamp-Website durchsickerte gibt Sarah auf. Endlich. Mal was los.

Während die rausgewählte Gitta Saxx sich in der Luxus-Wanne im Nixenschaum räkelt, geht im Dschungelcamp die Post ab. Dafür sei Reiner ja ins Camp gegangen. Gruppendymanik oder wie das heißt. Sarah weiß auch nicht recht, wie ihr geschieht, aber sie scheint das Spiel zu kennen. Blanker Psychoterror, Gruppenbildung und Mobbing. Mathieu verliert die Contenance und fleht Sarah auf Knien an, sie möge das Camp doch bittebitte verlassen.

Gruppendynamik im Pschocamp - Sarah soll das Dschungelcamp verlassen
Sarah versteht wohl, dass sie von einem Großteil der Dschungelcamper angefeindet wird und doch bitte verschwinden soll – aber nicht weshalb.

Der Erfinderin des Arschlochismus (Desirée Nick) wird hauptsächlich purer Egoismus und Teamunfähigkeit vorgeworfen. Man findet sie asozial. Der Streit – besser: die Gruppendynamik – eskaliert und das sieht da so aus:

Jay: „… Du scheißt auf alles und jeden außer auf dich selber. Wie soll man Interesse für dich aufbauen, wenn du dich komplett asozial benimmst?“
Mathieu: „Sarah, eins würden wir dir gerne vorschlagen – freiwillig das Camp zu verlassen.“
Sarah: „Das verstehe ich nicht. Warum soll ich jetzt freiwillig gehen?“
Mathieu: „Weil du uns allen ungeheuer auf den Geist gehst.“
Jay: „Tue es für dich. Damit tust du dir den größten Gefallen.“
Sarah: „Dann bin ich lieber der Asi und bin mir selber treu.“

Sie bockt und trotzt und lässt scheinbar nichts an sich herankommen. Sie glaubt tatsächlich, auf diese Art sich selber treu sein zu müssen und verhält sich so, wie sie sich auch bei den Dschungelprüfungen verhalten hat: Unmöglich, unerträglich, scheiße. Doch es wird noch schöner. In die Enge getrieben und allein gegen alle greift sie zum äußersten Mittel, zum schlechtesten Mittel, aber vielleicht zum einzigen, das sie beherrscht – zur Intrige (von lateinisch intricare, „in Verlegenheit bringen“, bezeichnet eine Handlungsstrategie, mit der einzelne oder Gruppen von Menschen versuchen, anderen Schaden zuzufügen oder sie gegeneinander aufzuhetzen)! Es ist tatsächlich ein Lehrstück in Sachen Psychokrieg (und eskalierte weil unmoderierte Gruppendynamik).

Jay und Sarah in Gruppendynamik

Peer offenbart unerwartete Schwäche und bricht als erster innerlich zusammen. Er mokiert sich über Sarahs Art, die ihm weh tut und zum Heulen bringt. Er kann nicht mehr, ist diesem Psychoterror nicht gewachsen. Das ist in Ordnung, das wären viele nicht. Aber Peer wirkt dennoch schwach. Und macht einen folgenschweren Fehler: Er redet wärhend einer gruppdendynamischen Pause Abseits allein mit Sarah. Frau „Gans ehrlich“ zieht gegen Jay vom Leder und spinnt eine bösartige Intrige gegen den formschönen Sänger. Sie behaupt, die Liebelei mit Indira sei inszenziert. Er hätte sich vor dem Camp mit ihr, Sarah, getroffen und ihre angeboten aus image-strategischen Gründen im Camp eine Liebschaft vor aller Fernsehaugen mit ihr zu beginnen:
„Jay war vor der ganzen Show bei mir zu Hause und hat mir vorgeschlagen, wie Katie Price und Peter André, eine Liebesgeschichte zu spielen. Wegen seinem Image. Ich schwöre auf alles, was mir lieb ist.“

Außerdem holt sie, jetzt völlig durchgebraten, unter vier Augen (!) zum Rundumschlag gegen ihre Lieblinge aus:
„Ich glaube, dass Mathieu ein sexuelles Problem hat und genau wie Katy ein starkes Alkohol-Problem hat. Und Indira würde für Geld alles machen, sie würde ihre Beine für alles breit machen.“

Ganz übles Tennis. Ganz unten. Wie sind damit ganz unten angelangt. Nein, nicht wir die Zuschauer, Sarah, die im Dschungelcamp ihre Karriere puschen wollte.

In dieser heftigen Krise im Camp, gefallen mir Reiner, der sich völlig raushält, Indira und Katy, die sich ebenfalls zurücknimmt, am Besten. Thomas gefällt mir gar nicht, da man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass seine wahre Stärke ist, sich die richtigen Verbündeten zu suchen. Seine Kritik greift nicht recht, meine ich, wirkt eher aufgesetzt. Er versucht sich dabei selber ins rechte Licht zu rücken und das ist durchschaubar.

Peer hatten wir schon erwähnt. Peer wirkt schwach und macht einen Fehler. Er steht damit irgendwie zwischen den Fronten und dreht am Rad, wird sogar noch von Jay konfrontiert. Das ist überflüssig. Er hätte sich zurückziehen und sortieren sollen. Auch der humorvolle, gereifte Mathieu hätte es eigentlich nicht nötig, sich vor so einer kleinen Ziege in den Dreck zu knien. Ihm hätte ich mehr Gleichgewicht zugetraut. Aber das sagt sich leicht. Bleibt also noch Jay, der zusammen im Sarah in den Mittelpunkt des Psychodramas geriet. Er schlägt sich wacker, bleibt relativ ruhig und sachlich, schießt zwar hier und dort übers Ziel hinaus, versucht aber sichtbar die Kontrolle, Oberwassser zu behalten.

Oberwasser im Dschungelcamp

Peer will also von Jay wissen, ob Sarahs Vorwürfe wahr wären. Klar, wir alle wollen das wissen. Obwohl wir irgendwie annehmen müssen, dass sie an den Haaren herbeigezogen sind. Doch nun tauchen überall wieder die Gerüchte um Jays Homosexualität auf. Ist das der Zusammenhang?

Es ist eh schwer nachzuvollziehen, warum sich die „Stars“ ständig gegenseitig vorwerfen, wegen ihrer Karrieren und den Gagen im Dschungelcamp zu sein. Um nichts anderes geht es. Deshalb ist jeder einzelne im Camp. Mediengeilheit, Geld, Karrierepush. Das macht sie angreifbar und daraus beziehen wir unser Vergnügen, unsere Legitimität für unseren Spott und ihre Lächerlichkeit, die wir sehen wollen. Also zählen diese Vorwürfe alle nicht.

Sarah spricht immer von ehrlich, vom ehrlichen Camp. Irgendwas stimmt da nicht. Wer so oft von Ehrlichkeit und Ehrlichsein spricht, hat ein Thema damit. Vielleicht meint sie „authentisch“. Denn es gibt einen feinen aber wesentlichen Unterschied zwischen ehrlich und authentisch. Aber um das zu checken ist Sarah noch viel zu unreif. Sarahs postpubertäre Problematik wird im Camp verhandelt. Das hat nichts mit Ehrlichkeit zu tun. Ich oder die Gruppe, sich treu sein oder über seinen Schatten springen. In diesem Spannungsbogen reibt sich das selbsternannte Model auf. Und das ist auch nicht „ehrlich“, da ihr das gar nicht klar ist.

Was also wäre so schlimm daran, wenn Sarahs Vorwürfe wahr wären und Jay eine Liebesgeschichte spielt. Vielleicht um so eine bestimmtes Image zu forcieren, vielleicht um eine latente Homosexualität zu kaschieren. Es sieht nicht danach aus, aber was wäre so schlimm daran? Alle spielen dort eine Rolle, aber niemand scheint ein Drehbuch zu haben. Alle wollen dasselbe. Alle kriegen dasselbe. Er hat Indira nichts versprochen – so weit wir wissen – sie lernen sich kennen (wie er zurecht anmerkte), sie mögen sich und turteln miteinander. So what?

Und wenn Jay sie tatsächlich mit dem von ihr beschriebenen Anliegen, eine Liebesgeschichte zu inszenieren, besucht hätte? Eine Idee halb im Spaß, halb im Ernst? Was wäre so schlimm daran? Sarah hat deutlich gemacht, dass sie das nicht könne. Sie kann Model spielen, Vegetarierin, Hexe und Feldwebel. Aber Liebe, Liebespaar könne sie nicht. Verständlich. Also wo ist das Problem? Ist Sarah vielleicht eifersüchtig auf Indira? Wollte sie so begehrt werden, so sympathisch umzärtelt werden? Und warum hat dann Sarah so lange verschwiegen, was sie angeblich wusste? Warum hat sie die beiden und das Camp nicht viel früher konfrontiert? Jay sollte die Wahrheit sagen.

Indira macht Sarahs Dschungelprüfung
Indira besteht jene Dschungelprüfung, die Sarah kleingeistig ablehnte aus Angst um ihre Model-Karriere und allergische Schocks. Die Schocks bekamen dafür ihre Camp-Kollegen, die deshalb nichts zum Abendessen hatten. Indira bewies, dass schon ein wenig Tapferkeit und Humor ausreicht, um nicht wie ein Volldepp dazustehen.

Das alles heißt ja nicht, dass Jay Indira nicht aufrichtig mag. Und Indira ist vorsichtig, befragte in dieser Sache schon Psycho-Schwester Katy. Am Ende wirft diese Geschichte ein sehr schlechtes Licht auf Sarah. Und Jay hat recht: Wenn Sarah das Camp verlässt ist es das Beste, das sie tun kann. Für sich. Ganz egoistisch.

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